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Making of

Jeder kennt die Ikonen des Ruhrgebiets, die nächtlichen Fotografien von Zeche Zollverein, Deutschem Bergbau-Museum oder dem ehemaligen Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Lichtwechsel.Ruhr erzählt eine andere Geschichte. Die Geschichte der stillen Stars.

Wo bitte ist Gneisenau?

Es begann mit einer fixen Idee im Jahr 2008. Rolf Arno Specht besuchte in Dortmund-Derne die Zeche Gneisenau, jene majestätisch anmutende, den gesamten Stadtteil überragende Anlage und fand sie beinahe nicht. Es war Winter, es war schon recht dunkel.
"Ich konnte nicht glauben, dass ein so markantes und und imposantes Industriedenkmal nachts nicht inszeniert wird", erzählt er. Er kaufte damals seinen ersten Halogenstrahler und experimentierte mit Lightbrushing (dem fotografischen Erleuchten eines Objektes mithilfe eines einzelnen, wandernden Lichtstrahls). Er holte noch die Mitstreiterin Ute Weinmann ins Boot und so war man mit dieser Technik halbwegs erfolgreich, aber die stromfressende Halogentechnik sorgte nicht für dauerhafte Begeisterung.

Erbe und Heimat

In der Zwischenzeit machte sich auch Wolfgang Schubert, ehemaliger Bergmann und Autor einschlägiger Fachliteratur, seine Gedanken zum Thema. Er inszenierte Industriekultur ebenfalls fotografisch und wusste, dass es in dieser Hinsicht noch wesentlich mehr herauszuholen galt.

Schubert und Specht verband der Drang, sich intensiv auf vielfältige Weise mit dem Erbe ihrer Heimat auseinanderzusetzen. Beide betrieben in der Zwischenzeit ihre Websites minister-achenbach.de und fotorevier.net und lernten sich schließlich bei der Sprengung des Schachtes in Voerde persönlich kennen.

Und plötzlich wurde es Licht

Gemeinsam gingen Sie nun auf ungezählte Forschungsreisen quer durch das Revier, tauschten Informationen, Ansichten und Standpunkte aus. An Zeche Holland in Wattenscheid schließlich lenkten sie die vier Fernlichter ihrer Pkw mithilfe einer Spiegelkonstruktion auf das Fördergerüst.  "Das ist eine sehr sperrige Technik, aber es funktioniert. Es gab uns endlich die Freiheit, uns fotografisch zu bewegen und das Objekt jederzeit illuminiert zu betrachten", erklärt Schubert. "Das mit den Fernlichtern machen wir heute nur noch in Ausnahmefällen, wenn wir extrem viel Licht an einem Punkt bündeln wollen", fügt Specht hinzu.
Eines Tages brachte Schubert lichtstarke, farbige LED-Strahler zur Herner Zeche Teutoburgia. Das war die Initialzündung für das weitere Vorgehen. Gemeinsam schafften sie ungezählte Leuchtmittel für unterschiedliche Zwecke an, experimentierten, bauten und modifizierten.
Auf die Frage "Geht das?" folgt bei beiden immer die Frage "Wollen wir das?" Sie wollen nicht einfach nur buntes Licht machen.
"Der Künstler und Kunstblogger Stuart Nicol nannte uns einmal 'Licht-Guerillas'; wir kommen, erleuchten, fotografieren und sind wieder weg" sagt Rolf Arno Specht. "
Anlagen, die schon von anderen Künstlern lichttechnisch bespielt werden, sind für uns sowieso tabu", ergänzt Wolfgang Schubert.

To be continued...

Unser Konzept heißt ja nicht "Licht an, Zeche bunt", sondern "Kopf an - Bergbau lebt".